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Wertevermittlung statt Werbung - Kommerzialisierung von Kindersendern in der Kritik

Von Kalinga Seneviratne

Kuala Lumpur (IDN) – Die exzessive Kommerzialisierung der Kindermedien, insbesondere des Kinderfernsehens, gefährdet Experten zufolge Bemühungen, jungen Menschen das Wissen und die Werte zu vermitteln, die sie zu globalen Weltbürgern erziehen.

Die Vereinten Nationen haben sich drei Prioritäten gesetzt, um das globale Bürgertum zu fördern. Sie alle stehen mit Bildung und der intellektuellen Entwicklung von Kindern in einem engen Zusammenhang. So gilt es Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen, die Qualität des Unterrichts zu verbessern und Bildung als Transformationsprozess zur Förderung universaler Werte aufzufassen.

Wie Patricia Edgar, ehemalige Leiterin der Australischen Stiftung für Kinderfernsehen, kritisiert, sind die meisten Kinderprogramme nicht darauf aus, Bildung zu vermitteln. "Bei den wenig kreativen und billig produzierten Unterhaltungsprogrammen geht es in erster Linie darum, Produkte zu verkaufen", meint sie. "Ein bildungswirksames Programm hingegen vermittelt Werte, konstruktive Botschaften und vor allem lokale Elemente, die den Kindern bei ihrer sozialen und emotionalen Entwicklung helfen."

Gerade für Heranwachsende sei es besonders wichtig, die "reale Welt" zu begreifen und dem konstruktiven Umgang mit Problemen zu erlernen. Es sei wenig hilfreich, Minderjährige aus dem Bedürfnis heraus, sie zu behüten, in einer Scheinwelt leben zu lassen, in der alles hübsch und schick sei. Edgar zufolge ist es wichtig, dass Kindern universale Werte vermittelt werden.

Passende Ausdrucksformen finden

"Wenn wir globale Bürger wollen, die eine Leidenschaft für globale Gerechtigkeit und Mitgefühl gegenüber dem anderen entwickeln, müssen wir die Kindergeschichten in Zeichentrick- oder Kurzfilmform bringen, die die Mädchen und Jungen bereits im zarten Alter mit den richtigen Werten versehen", meint Chandra Muzaffar, Vorsitzender der Bewegung für eine gerechte Welt.

Auch er ist der Meinung, dass globale Bürgerschaft auf universalen Werten beruhen sollte. "Westliche Werte sind nicht zwingend universal", meint er. "Wohl gibt einiges in unseren religiösen und ethischen Traditionen, das universal ist. Sie sollten in lokalen Sprachen und Kunstformen gefasst und artikuliert werden. Auf diese Weise könnten wir lokale kulturelle Identitäten stärken."

Die lokalen kulturellen Identitäten zu stärken, habe mit Nationalismus wenig zu tun, meint Aldana Duhalde, Projektentwicklerin vom IDIEM-Medienforschungsinstitut in Argentinien. Wie sie berichtet, hat ihr Team ein regionales Fernsehprojekt entwickelt, dass sich mit Themen auseinandersetzt, die mit der Natur in Verbindung stehen, mit dem Wunsch, wirtschaftlich zu wachsen und nicht länger als Entwicklungsland zu gelten und mit der Suche nach eigenen Lösungen für eigene Probleme.

"Materielle Dinge sind nicht wirklich wichtig", so Duhalde im Gespräch mit IDN. "Liebe zum Ausdruck zu bringen, sich zuzuhören – das ist wirklich wichtig. Oder dass wir in Diskussionen unterschiedliche Blickpunkte einnehmen können, ohne unsere Gefühle verbergen zu müssen."

Duhalde ist der Meinung, dass die neue mediale Technologie und die sozialen Medien eine Vielzahl von Möglichkeiten schaffen, um Kinderprogramme zu entwickeln, die zu einem besseren Miteinander führen und junge Menschen zu friedfertigen globalen Bürgern machen.

Rückbesinnung auf öffentlich-rechtlichen Bildungsauftrag

Dem schwedischen Filmemacher Fredrik Holmberg zufolge besteht ein Bedarf an einer globalen Kampagne, die die öffentlich-rechtlichen Rundfunkwerte wiederbelebt. "Es gibt unterschiedliche Stimmen und wir brauchen wieder mehr Diversität", erklärt er. "Wir brauchen Medien, die global und 'glokal' zugleich sind."

Holmberg plädiert dafür, Kindermedien als öffentliche Investition zu begreifen und zu fördern. "Wir sollten Kinder nicht wie Verbraucher behandeln. Programme für Kinder zu entwickeln, ist teuer. Dafür sind öffentliche Gelder erforderlich."

Diese Forderung hatten viele Teilnehmer des Weltgipfels für Kindermedien vom 8. bis 19. September in Kuala Lumpur vertreten. Doch wurden in der malaysischen Hauptstadt die staatlichen Finanzierungsprioritäten nicht wirklich hinterfragt.

Moneeza Hasmi aus Pakistan, Vorsitzende der Allianz für öffentliche Medien, der früheren Commonwealth-Rundfunk-Vereinigung, beklagte, dass "wir in schwierigen Zeiten leben, in denen wirklich alles kommerzialisiert wird. Das hat unsere Werte zerstört."

Der Wirtschaft gehe es nur noch darum, immer mehr Geld zu generieren. Die Maxime, die Dinge zu tun, weil sie getan werden müssten, gebe es nicht mehr, meinte sie bitter. "Wir lassen zu, dass immer mehr Waffen hergestellt und immer mehr Menschen getötet werden."

Es gebe aber auch Weltbürger, die gesund und ausbalanciert seien. Diese müssten ihr Geld in die öffentlichen Medien investieren, "damit wir Programme für Kinder machen, die gebildete und tolerante globale Bürger hervorbringen", sagte Hasmi.

Auch Rosmah Mansor, die Frau des malaysischen Ministerpräsidenten Najib Razak, plädierte auf dem Gipfel in Kuala Lumpur dafür, dass Kinderprogramme ihren jungen Zuschauern Meinungen, Anschauungen und Verhaltensweisen im Sinne einer friedlichen multiethnischen und multireligiösen Koexistenz vermittelten. Die Programme müssten die Neugierde wecken.

Staatliche Regulatoren und politische Entscheidungsträger seien aufgerufen, mit Gesetzen und Initiativen dafür zu sorgen, dass die Qualität und Quantität der Bildungs- und Informationsprogramme gewährleistet würden, so Rosmah. "Für Kinder ist es wichtig, dass wir ihnen beste menschliche Verhaltensweisen aufzeigen anstatt sie mit konfliktfördernden Stereotypen, Hassreden und Mobbing zu konfrontieren."

(IPS Deutscher Dienst | Karina Böckmann | 27.10.2014)

Original <> http://www.indepthnews.info/index.php/global-issues/2260-commercialisation-of-childrens-media-hampering-global-citizenship