A joint media project of the global news agency Inter Press Service (IPS) and the lay Buddhist network Soka Gakkai International (SGI) aimed to promote a vision of global citizenship which has the potentiality to confront the global challenges calling for global solutions, by providing in-depth news and analyses from around the world.

Please note that this website is part of a project that has been successfully concluded on 31 March 2016.

Please visit our project: SDGs for All

BANGLADESCH: Gleichberechtigung über den Äther – Frauen erobern Radiosender

Von Naimul Haq

Dhakal (IPS) – Frauen machen in Bangladesch bisher nur selten Schlagzeilen. Eine zunehmende Zahl von Radiojournalistinnen ist jedoch bestrebt, hier Abhilfe zu schaffen und die Probleme, Rechte und Leistungen ihrer Geschlechtsgenossinnen ins rechte Licht zu rücken.

Wie aus einem Bericht von 'Bangladesh Nari Progati Sangha' (BNPS), einer lokalen Nichtregierungsorganisation, hervorgeht, beschäftigten sich bisher nur 16 Prozent aller Zeitungsartikel, 14 Prozent der Fernsehbeiträge und 20 Prozent der Radionachrichten mit Frauen oder verwenden Zitate von ihnen.

Die Autoren der Studie hatten 3.300 Nachrichtentexte in einem Zeitraum von zwei Monaten untersucht. In weniger als acht Prozent standen Frauen im Fokus. 97 Prozent der Frauen, die auf dem Fernsehbildschirm auftauchten, verlasen Nachrichten. Lediglich drei Prozent waren der Kategorie 'Reporter' zuzurechnen. Und nur 0,03 Prozent aller Namensartikel hatten weibliche Verfasser.

Frauen sichtbar, aber ungehört

Auch wenn mehr Frauen als Männer auf Fotos abgebildet sind, werden sie dem Report zufolge weit seltener zitiert. Somit bestätigt sich in dem 157 Millionen Einwohner zählenden Land das alte Sprichwort, dass Frauen zwar gesehen, aber nicht gehört werden.

Viele Bangladeschinnen wollen jedoch nicht länger warten, dass sich an ihrer Lage etwas ändert. Sie nehmen die Angelegenheit selbst in die Hand, indem sie als Radiojournalistinnen ihren Geschlechtsgenossinnen eine Stimme geben und die Probleme insbesondere der weiblichen Bevölkerung in ländlichen Gebieten zu Gehör bringen.

Frauen stellen etwa 49 Prozent der Bevölkerung Bangladeschs. Insgesamt 111,2 Millionen Einwohner - mehr als 70 Prozent - leben in ländlichen Gebieten. Ihre Distanz von urbanen Zentren, in denen Politik gemacht wird, wirft quasi einen doppelten Umhang der Unsichtbarkeit über die Frauen. Wie aus den von BNPS gesammelten Daten hervorgeht, tauchen die Bewohner ländlicher Gebiete in nur zwölf Prozent der Zeitungsartikel, sieben Prozent der Fernsehnachrichten und fünf Prozent der Radionachrichten auf. Dabei haben die Städte, in denen 28 Prozent aller Bangladescher leben, gerade einmal einen Anteil an der Landesfläche von acht Prozent.

Weit unten auf dem UNDP-Index GII

Das Fehlen von Frauen und Frauenthemen in den Medien erscheint als gefährlicher Trend in einem Land, das auf dem kürzlich vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) verbreiteten 'Index der geschlechtsspezifischen Ungleichheit' (GII) unter 187 Staaten den 142. Rang einnimmt. Bangladesch schneidet somit von allen Ländern in der Asien-Pazifik-Region am schlechtesten ab.

Aus der Untersuchung geht außerdem hervor, dass in weniger als einem Prozent aller analysierten Nachrichten von der Ungleichbehandlung der Geschlechter die Rede ist. Nur elf Prozent der Artikel befassen sich kritisch mit den vorherrschenden Klischeevorstellungen von Frauen und Männern.

Mit einer Alphabetisierungsrate von etwa 59 Prozent liegt Bangladesch der Weltkulturorganisation UNESCO zufolge weit unter dem globalen Durchschnitt von 84,3 Prozent. Somit kommt dem Rundfunk als Informationsquelle eine besondere Bedeutung zu. Selbst in einem Land, in dem 24 Prozent der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze leben, ist das Radio ein weit verbreitetes, relativ erschwingliches Mittel, um mit der Welt in Verbindung zu treten. Bei den Millionen Bauernfamilien in Bangladesch erfreut sich dieses Medium großer Beliebtheit.

Momena Ferdousi, eine 24-jährige Studentin aus dem nordwestlich gelegenen Distrikt Chapai Nawabganj, zählt zu den aufstrebenden jungen Radioprofis. Sie ist Programmproduzentin bei 'Radio Mahananda', einem 2011 gestarteten Bürgerradiosender, der in erster Linie Tausende Bauernhaushalte in der Region mit Informationen versorgt.

Unabhängiges Netzwerk bildet Radiomacherinnen aus

Ferdousi hätte nach eigenen Angaben ohne die Unterstützung des 'Bangladesh NGOs Network for Radio and Communication' (BNNRC) diesen Karrieresprung nicht geschafft. Das Netzwerk bildet angehende Journalistinnen aus. Zahlreiche Frauen, die diese Ausbildung durchlaufen haben, sind inzwischen Produzentinnen, Moderatorinnen von Nachrichtensendungen, Reporterinnen oder Managerinnen bei 14 regionalen Bürgerradiokanälen geworden, die über das ganze Land verteilt sind.

"Der Weg zu meinem Job war eine echte Herausforderung", sagt Ferdousi. "BNNRC hat mein Potenzial und das anderer Kolleginnen erkannt. Ich glaube, wir können viel bewirken, indem wir die Kluft überbrücken, die Frauen den Zugang zu Nachrichten versperrt."

Viele Kilometer entfernt erreicht die Stimme von Sharmin Sultana im 'Radio Pollikontho' etwa 400.000 Menschen in dem im Nordosten von Bangladesch gelegenen Distrikt Moulvibazar. Täglich wird fünf Stunden lang gesendet. Die meisten Beiträge befassen sich mit der Situation von Frauen in ländlichen Gebieten.

"Es ist ein besonderes Gefühl, ein Programm zu moderieren, Live-Interviews mit Studiogästen zu führen und mit dem Publikum über Gesundheit, Frauenrechte, soziale Ungerechtigkeit, Bildung und Landwirtschaft zu diskutieren", sagt Sultana. "Anfangs gab es nur ein Programm über Frauenthemen, jetzt gehen wir jede Woche mit fünf Programmen auf Sendung, die sich ausschließlich Frauen widmen."

Radio erreicht auch die Ärmsten im Land

Die meisten Zuhörer seien arm, sagt die Journalistin. "Sie besitzen keine Fernseher und können nicht Zeitung lesen. Der UKW-Sender hingegen ist selbst auf den günstigsten Mobiltelefonen zu empfangen, und die Nachfrage nach interaktiven Live-Programmen steigt mit jedem Tag."

Die schwierige Lage der Frauen des südasiatischen Landes ist bekannt. Nur etwa 16,8 Millionen Bangladescherinnen sind im formalen Sektor beschäftigt. Die meisten Frauen verrichten neben der Feldarbeit noch unbezahlte Arbeit in den eigenen vier Wänden. Dass sie finanziell von ihren Männern abhängig sind, erhöht die Gefahr häuslicher Gewalt. Laut einer neuen Studie des nationalen Statistikamts BBS haben 87 Prozent aller derzeit verheirateten Frauen Erfahrungen mit körperlicher Gewalt durch ihre Männer gemacht. 98 Prozent gaben an, im Verlauf ihrer Ehe von ihren Männern vergewaltigt worden zu sein. Die Studie fand außerdem heraus, dass ein Drittel aller verheirateten Frauen zur Zielscheibe von 'Finanzdelikten' werden. Im Jahr 2011 starben 330 Frauen an den Folgen von Gewalt im Zusammenhang mit Mitgiftstreitigkeiten.

Die Bürgerradios setzen sich auch mit dem Problem der Kinderehen auseinander. Nach Erkenntnissen der Vereinten Nationen werden etwa 66 Prozent aller Mädchen in Bangladesch vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet.

Die Lage ist ernüchternd, doch Experten erwarten mit einem zunehmenden Bewusstsein der Frauen, wie wichtig Bildung und die Einforderung ihrer Rechte ist, einen Umschwung.

BNNRC-Chef A. H. M. Bazlur Rahman, der in ganz Bangladesch Bürgerradios gegründet hat, wirft den Politikern vor, Probleme wie das Fehlen angemessener Sanitäranlagen, Gewalt gegen Frauen, Korruption und Bildung für Mädchen weitgehend zu ignorieren. "Wenn wir den Frauen aber eine Stimme geben können, werden diese Probleme allmählich verschwinden."
[Deutsche Bearbeitung | Corina Kolbe | IPS Deutscher Dienst - 10.04.2015]