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Schulen sollen respektvolles Miteinander vermitteln – UNESCO-Bildungsinitiative

Von A. D. McKenzie

Paris (IDN) – "What the world needs now is love, sweet love", heißt es in einem Song von Burt Bacharach von 1965, der in der heutigen Zeit angesichts der Zunahme von Intoleranz und Gewalt nichts an Aktualität eingebüßt hat. Eine neue Initiative der Weltkulturorganisation UNESCO wirbt dafür, den respektvollen Umgang zu einem wichtigen Bestandteil des Schulunterrichts zu machen, um Hass und Extremismus entgegenzusteuern.

"Wenn wir davon sprechen, allen Respekt zu lehren, dann meinen wir auch alle", erläutert Christophe Cornu von der Abteilung für Gesundheit für globale Bürgerschaft der UNESCO, die in Zusammenarbeit mit den Regierungen der USA und Brasilien im Kampf gegen Diskriminierung im Bildungssystem Instrumentarien erarbeitet hat. Lehrer, Schüler und Eltern, aber auch Bildungsexperten und die Medien seien gleichermaßen angesprochen.

Entstanden sind ein 300-seitiges Handbuch, UN-Arbeitspapiere, Online-Foren und konkrete praktische Vorschläge, wie die Respektinitiative an den Schulen umgesetzt werden könnte. Die Bandbreite der Handlungsmöglichkeiten wurde Ende Januar auf dem Zweiten UNESCO-Forum für Bildung zu globaler Bürgerschaft in Paris vorgestellt.

"'Teaching Respect for All' ist ein Weg, der sich anbietet, um Diskriminierung und Gewalt zu bekämpfen. Dadurch werden die Grundlagen für Toleranz geschaffen und gestärkt und der Respekt gegenüber allen Menschen gefördert", so Cornu.

Wie die UNESCO in ihrem Handbuch erläutert, gründet das Projekt auf den universellen Werten und Menschenrechten. Es soll Menschen im Alter von acht bis 16 Jahren die Grundlagen vermitteln, die sie brauchen, um Respekt auszubilden und Diskriminierung auf allen Ebenen zu stoppen. Bildungseinrichtungen müssten dafür sorgen, dass Respektlosigkeit und Diskriminierung im schulischen Umfeld keine Chance hätten.

Schulung der Lehrer

Weiter heißt es, dass die Lehrpläne genügend Zeit und Raum lassen müssen, um sensible Fragen zu diskutieren und stereotype Denkweisen und Ungerechtigkeiten zu hinterfragen. Ebenso gelte es die Lehrkräfte zu befähigen, ihren Schülern Möglichkeiten der Konfliktlösung aufzuzeigen und an das sensible Thema der Diskriminierung heranzuführen.

Wie die UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova auf dem letzten Treffen erklärte, arbeitet ihre Organisation an Maßnahmen zur Förderung eines Bewusstseins globaler Bürgerschaft, um der "weltweiten Zunahme von Diskriminierung" entgegenzusteuern. "Die Möglichkeiten für den Austausch von Wissen und Informationen waren noch nie so zahlreich wie heute, doch Intoleranz in Form von Gewalt und zerstörerischem Extremismus nimmt zu."

Der UNESCO zufolge zielt Bildung zu globaler Bürgerschaft darauf ab, "Lernende jeden Alters mit den Werten, dem Wissen und den Fähigkeiten auszustatten, die auf den Menschenrechten und den Respekt der Menschenrechte, der sozialen Vielfalt, der Geschlechtergleichheit und ökologischen Nachhaltigkeit aufbauen und die die Lernenden befähigen, verantwortungsbewusste globale Bürger zu werden".

Der UNESCO zufolge kommt den Medien in dieser Hinsicht eine wichtige Rolle bei der Bewusstseinsbildung zu. Ihre Aufgabe sei es, negative Stereotype zu entlarven, den Respekt für die Vielfalt zu stärken und Toleranzfähigkeit zu fördern.

Die UNESCO-Anleitung war vor dem Anschlag auf die französische Satirezeitschrift 'Charlie Hebdo' am 7. Januar fertiggestellt worden, dem zwölf Menschen einschließlich etlichen Journalisten das Leben kostete. Kritiker hatten dem Magazin Islamfeindlichkeit vorgeworfen, während Karikaturisten und andere auf das unveräußerliche Recht der freien Meinungsäußerung pochten.

Dass die Ansichten zu dem Thema in Frankreich und anderswo auseinandergehen, verdeutlicht nach Ansicht einiger Kommentatoren die Schwierigkeit, Religion und weltliche Werte miteinander in Einklang zu bringen. Andere Beobachter vertraten die Meinung, dass die Anschläge die Aufmerksamkeit auf Europas marginalisierte junge Leute und das Versagen von Bildung gelenkt hätten.

Raum zur Diskussion von Vorurteilen erforderlich

Zu einem respektvollen Umgang mit allen Menschen zu erziehen, schließe das Wissen ein, dass jeder Mensch Vorurteile habe, meint Cornu. Es sollte einen Raum geben, diese Vorurteile zu diskutieren und Stigmata zu entmystifizieren. Ein solcher Dialog kann nach Vorstellungen der UNESCO sowohl in einem formellen als auch in einem informellen Bildungsalltag stattfinden. Erforderlich seien Lehrpläne, in denen die Vermittlung von Werten wie Friedenskultur, Menschenrechte, Toleranz und Respekt eine Rolle spielten. Diese als universell anerkannten Werte müssten in lokalen Systemen und Kulturen unbedingt vermittelt werden.

Helen Bond, außerordentliche Professorin an der Howard-Universität in Washington, gehört zu den Autoren der Umsetzungsanleitung 'Teaching Respect for All'. Wie sie betont, zeigt sich Diskriminierung in unterschiedlichen Formen wie Mobbing, Beleidigungen, Stereotypisierungen, Stigmatisierung, Antisemitismus, Islamfeindlichkeit und Vorurteilen gegenüber Frauen und Armen. Auch sei sie in Gesetzen, bestimmten Regierungsprogrammen und einem Nichtreagieren auf Diskriminierung und Respektlosigkeit anzutreffen.

Nach dem Anschlag auf Charlie Hebdo und den damit in Verbindung stehenden Anschlägen auf einen jüdischen Supermarkt in Paris hatten sich Schüler mancher Bildungseinrichtungen geweigert, die staatlich verordnete Denkminute einzuhalten. Sie brachten ihre Unzufriedenheit über ihre eigene soziale Ausgrenzung und Stigmatisierung durch die Medien zum Ausdruck.

Ebenso befremdlich wirkte die Entscheidung von Lehrern in der südfranzösischen Stadt Nizza, einen achtjährigen Jungen bei der Polizei anzuzeigen, weil er sich "solidarisch" mit den Terroristen erklärte, obwohl er nicht einmal wusste, was Terrorismus bedeutet. Dieser Zwischenfall, der sich zeitgleich zum Zweiten UNESCO-Forum zutrug, hat die Notwendigkeit verdeutlicht, in den Schulen für einen respektvollen Umgang zu werben und die Lehrer auf diese Aufgabe vernünftig vorzubereiten.

Pilotprojekte

Der UNESCO geht es auch darum, auszuloten, wie sich der Unterricht in Sachen Respekt für alle in den Lehrplänen der Schulen verankern und sämtlichen am Schulleben beteiligten Akteuren vermitteln lässt. Pilotprojekte in unterschiedlicher Ausprägung laufen bereits in Brasilien, Côte d'Ivoire, Guatemala, Indonesien und Kenia. Während sich etwa die kenianische Regierung auf die Entwicklung einer Friedenskultur konzentriert, geht es in Côte d'Ivoire um Maßnahmen, die der Diskriminierung von Menschen mit Behinderung vorbeugen sollen.

Im Zusammenhang mit der Initiative 'Teaching Respect for All' geht es auch um Fragen, wie schwierige Diskussionen und Situationen in den Klassenzimmern gehandhabt und wie Schüler befähigt und motiviert werden können, sich gegen Diskriminierung, Vorurteile und Mobbing zur Wehr zu setzen. (
IPS Deutscher Dienst | Karina Böckmann | 02.03.2015)