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Vom Konzept zur Handlungsmaxime – Ruf nach globaler Bürgerschaft

Von Jaya Ramachandran

New York (IDN) - Dem Konzept der 'globalen Bürgerschaft' im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung' (EGCSD) liegt die Einsicht zugrunde, dass sich die Menschheit als Teil des Planeten begreifen muss, um die existenziellen Herausforderungen wie Klimawandel und Weltfrieden nachhaltig zu meistern. So faszinierend der Gedanke auch sein mag, so weit ist er davon entfernt, Fuß im alltäglichen Leben zu fassen. Experten zufolge muss es dringend vermittelt werden – durch Bildung.

"Trotz aller technologischen Fortschritte und der zunehmenden Abkehr von nationalstaatlichen Überlegungen bleibt das Konzept der globalen Bürgerschaft auf mysteriöse Weise unsichtbar", bestätigte Ron Israel, Mitbegründer von 'The Global Citizens' Initiative' (TGCI), in einem jüngsten Beitrag. "Was kann getan werden, damit es sich im demokratischen politischen Alltag durchsetzen kann?"

Israel zufolge ist ein globaler Bürger ein Mensch, der sich als Teil der wachsenden Weltgemeinschaft begreift und einen aktiven Beitrag zu den Handlungsweisen und zu der Realität dieser Gemeinschaft leistet. Doch mit der Definition allein ist es dem Experten zufolge nicht getan. Der Teufel liege im Detail.

Als UN-Generalsekretär Ban Ki-moon im September 2012 seine Initiative 'Bildung zuerst' vorstellte, hatte er im Grunde auf das Instrument verwiesen, das dem Konzept des globalen Bürgertums den Durchbruch bringen könnte. Damals meinte er, dass Bildung viel mehr sei als eine Eintrittskarte für den Arbeitsmarkt. "Sie besitzt die Kraft, eine nachhaltige Zukunft und eine bessere Welt zu schaffen. Bildungsmaßnahmen sollten Frieden, gegenseitigen Respekt und Umweltschutz voranbringen."

"Als Teil der Welt empfinden"

Für den bangladeschischen UN-Diplomaten Anwarul Karim Chowdhury, der sich mit seinem Einsatz für die Entwicklung der ärmsten Länder, den globalen Frieden und die Rechte von Frauen und Kindern, international einen Namen gemacht hat, geht es Ban mit seiner Initiative darum, gerade jungen Menschen das Gefühl zu vermitteln, Teil eines großen Ganzen zu sein. Nur wer sich als Teil der Welt empfinde, werde enge Denkmuster über Bord werfen, erläuterte Chowdhury. "Solange wir uns nicht als Teil der Welt empfinden, werden wir unsere ehrgeizigen Ziele zum Wohl der Menschheit nicht erreichen."

Laut Arsenio Rodriguez, Vorsitzender und Geschäftsführer von 'Devnet International', einer Vereinigung, sie sich weltweit für die Bildung, Förderung und Unterstützung von Partnerschaften sowie den Austausch von zivilgesellschaftlichen Organisationen, Lokalbehörden und Unternehmen stark macht, garantiert globale Bürgerschaft die Weitergabe einer halbwegs gesunden Welt von einer Generation zur nächsten.

"Wenn wir geboren werden, erben wir eine gemeinsame Heimstätte, eine Sonne für unseren Energiebedarf, eine Erde, die uns Rohstoffe, Schutz und Nahrungsmittel schenkt, ein nachhaltiges Umfeld für Körper, Geist und Seele sowie Mitmenschen, mit denen wir die außergewöhnliche Erfahrung des Lebens teilen", so der Devnet-Chef.

Letztendlich sei das Leben die Essenz der globalen Bürgerschaft oder der Beziehung zwischen Völkern und Menschen zu dem Planeten und dessen lebenserhaltenden Reichtümern. "Wir sind herausgefordert, dafür zu sorgen, dass sich diese Beziehung als fruchtbar und produktiv erweist."

Aus historischer Sicht sei das Konzept der globalen Bürgerschaft lange vor dem 20. oder 21. Jahrhundert in philosophischen und religiösen Schriften behandelt worden, meinte Sri Lankas Botschafter bei den Vereinten Nationen, Palitha Kohona. Umso erstaunlicher sei es, dass es sich nicht universell durchgesetzt habe.

Vereinheitlichung durch Weltreiche

Im Verlauf der Geschichte habe die Menschheit der Entstehung vieler Weltreiche beigewohnt. Die Menschen, wenn auch nicht als Gleiche unter Gleichen, hätten sich daran gewöhnt, Teil eines Imperiums zu sein. "Doch was herauskam, war nicht das, was viele heute unter globaler Bürgerschaft verstehen", sagte Kohona. Dennoch habe sich das Weltverständnis der Menschen erweitert.

Kohona führe eine Reihe von Beispielen an. Er erinnerte daran, wie Alexander der Große um. 330 v. Chr. das kleine Mazedonien zu einem Weltreich ausbaute, das fast bis an die Ufer des Indus reichte. Als Vermächtnis habe er die Vorstellung von der Einheit der griechischen Kultur hinterlassen.

Das Römische Reich mit Rom als Mittelpunkt, das riesige Teile Kleinasiens, Nordafrikas und Europas beinhaltete, habe politisch und soziokulturell Spuren hinterlassen, die bis heute in der Psyche vieler fortlebten, so der Srilanker.

Ein noch größeres Weltreich sei durch die Expansion der Kalifate von Bagdad und Damaskus entstanden. In jener Zeit sei die Einheit, die sich aus der Zugehörigkeit zu einem Herrschaftssystem ergab und auch Wirtschaftsbeziehungen, Religion und Kultur mit einschloss, von Spanien bis nach Nordindien zu beobachten gewesen, erläuterte Kohona. Religion als staatstragender Rahmen habe in diesem Fall eine wichtige Rolle gespielt.

Mit der Entstehung der portugiesischen und spanischen Königreiche im 15. Jahrhundert verschwand die Trennung zwischen Bürgern und Untertanen. Religiöse, kulturelle und Handelsbeziehungen waren in diesen Weltreichen entscheidende Faktoren.

Die Osmanen, Niederländer, Briten und Franzosen schufen die historisch jüngsten Weltreiche. Vom britischen Empire hieß es, dass dort die Sonne nie untergehe. Das chinesische Kaiserreich, das sich unter Dschingis Khan und dessen Söhnen bis nach Polen und Syrien erstreckte, stellte eine so starke Einheit dar, dass ein von einem Beamten in Khanbalik ausgestellter Passierschein bis in den Nahen Osten Gültigkeit besaß.

"Allerdings ist es den Weltreichen nie gelungen, die ganze Welt zu vereinigen", so Kohona. Oft hätten sie sich gegenseitig bedroht und/oder seien im Verlauf der Geschichte untergegangen. "Auch konnten sie nie ein Gefühl der globalen Bürgerschaft im wahrsten Sinn des Wortes wecken. In einigen Weltreichen existierte das Konzept der Bürgerschaft nicht, weil die Menschen unterschiedlichen Kategorien angehörten."

Immerhin sei es den Weltreichen gelungen, unterschiedliche Völker, Kulturen, Philosophien, Glaubensrichtungen, politische Konzepte und Wirtschaftssysteme zusammenzubringen. "Auf diese Weise haben sie, zumindest teilweise, ein Gefühl der Verbundenheit beziehungsweise den Wunsch heraufbeschworen, Gemeinsamkeiten unter einen Hut zu bringen", meinte Kohona.

Während das 20. und 21. Jahrhundert die Entstehung und Entwicklung subregionaler, regionaler und internationaler Organisationen erlebte, die auf Menschenrechten und demokratischen Normen gründen, sind viele Experten der Meinung, dass Bildung das richtige Instrument ist, um das Konzept der globalen Bürgerschaft in den Köpfen und Leben der Menschen zu verankern. (Ende/IPS/kb/2015)
 (IPS Deutscher Dienst | Karina Böckmann | 23.01.2015)

Originalbeitrag <> http://www.indepthnews.info/index.php/global-issues/2316-driving-home-the-concept-of-global-citizenship