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Globales Bürgertum durch globales Bewusstsein

Von Arsenio Rodriguez*

Myrtle Beach, South Carolina, USA (IPS) – Die Globalisierung ist ein integraler Aspekt der Moderne. Sie kann Bemerkenswertes bei der Umwandlung von lokalen in globale Erfahrungen, der Inklusion isolierter Dörfer in die globale Gemeinschaft und der Integration nationaler Volkswirtschaften in die Weltwirtschaftsökonomie leisten. Gleichzeitig jedoch geht der Globalisierungsprozess mit dem Verlust der kulturellen Identität einher.

Viele junge Menschen wachsen heute in einer sich konsolidierenden globalen Welt auf und definieren sich als Menschen, die keiner konkreten Kultur angehören. Im Jahr 2013 waren 232 Millionen Menschen oder 3,2 Prozent der Weltbevölkerung offiziell anerkannte internationale Migranten. Im Jahr 2000 waren es noch 175 Millionen, und 1990 154 Millionen gewesen. Zu den neuen Zahlen müssen geschätzte 20 Millionen Migranten ohne Papiere hinzugerechnet werden.


Dies bedeutet, dass immer mehr Menschen auf der Welt in andere kulturelle, ethnische und religiöse Gruppen einheiraten. So befand sich in Europa im Zeitraum 2008 bis 2010 jede zehnte verheiratete Person in einer Mischehe. Die aus einer solchen Verbindung hervorgegangenen Kinder werden in einer hybriden kulturellen Umgebung und manchmal, wenn die Eltern Einwanderer sind, in einem fremden Land groß.

2013 waren mehr als eine Milliarde Menschen als Touristen im Ausland unterwegs und konnten dadurch ihr Wissen aus erster Hand über die Welt jenseits der eigenen Ländergrenzen vergrößern. Andererseits nutzen etwa drei Milliarden Menschen das Internet. Mehr als eine Milliarde tummelt sich in sozialen Netzwerken.

Die Vernetzung der Menschen in der heutigen Zeit geht weit über das hinaus, was der Planet in dieser Hinsicht je erlebt hat. Zu dieser Entwicklung müssen wir die modernen ökologischen, kosmologischen und physikalischen Konzepte hinzunehmen, die die Verbundenheit der Welt und den Wert des Zusammenlebens auf einer gemeinsamen Erde - im globalen Dorf – unterstreichen.

Für viele ist Heimat kein konkreter Ort mehr, sondern eine bewusst erlebte Kulturerfahrung.
Menschen, die zwischen den Kulturen leben, fühlen sich in einer globalisierten Welt unbefangener, weil sich darin die Kombination aus unterschiedlichen Kulturen, Standpunkten und sozialen Zugehörigkeiten widerspiegelt.

Es gibt jedoch im Zuge des globalen Synthese- und Vernetzungsprozesses eine sozio-kulturelle Energie des Widerstands, die als Gegenkraft wirkt. Und obwohl sich viele Menschen als globale Bürger definieren und identifizieren, heißt dies nicht, dass ihr Status von den Kulturen und Gesellschaften, in denen sie leben, anerkannt wird. Vielmehr erleben sie, wie man sie ständig einzuordnen und zu kategorisieren versucht.

Wo immer sie sich auch zu Hause fühlen mögen, werden sie doch als Außenseiter, Touristen und Mitglieder einer fremden Kultur wahrgenommen. Während der Prozess der globalen Integration weitergeht, treten kulturelle Bastionen zutage und ethnische, religiöse und kirchliche Gruppen leisten aus Angst, den zermürbenden Kräften der Globalisierung zum Opfer zu fallen, Widerstand, der in Fundamentalismus, Gewalt und ethnische Kriege münden kann.

Kultur und Globalisierung werden dann als Ausschluss- und antithetische Kriterien verstanden. Erstere wird meist mit einer spezifischen Kultur in Verbindung gebracht, während zweitere die Überführung aller Kulturen in eine bedeutet.

Globale Bürger schöpfen ihr Selbstverständnis und ihre kulturelle Identität aus der Nichtzugehörigkeit zu einer bestimmten Kultur. Sie verlieren den Sinn für die Zugehörigkeit zu einer Gesellschaft. Sie werden Fremde. Doch erlangen sie im Gegenzug die Freiheit, sich selbst ausdrücken und definieren zu können, da sie von den normativen Zwängen der Kultur und Gesellschaft verschont bleiben.

Die Welt befindet sich inmitten eines weitreichenden Transformationsprozesses. Vorherrschende Business-as-usual-Modelle werden in einer Gesellschaft, die bald neun Milliarden Menschen zählt, nicht funktionieren. Wissenschaftliche Einrichtungen, Unternehmen und Regierungsbehörden weltweit stimmen darin überein, dass wir unsere Produktions- und Komsumzyklen und unsere Märkte den natürlichen Zyklen der uns am Leben erhaltenden Systeme anpassen müssen.

Allerdings sind unsere fragmentarischen Ansätze nicht in der Lage, dies zu erreichen. Wir brauchen ein globales Bewusstsein und eine globale Bürgerschaft. Wir brauchen keine globale Regierung, sondern ein föderales internationales System, das auf ein Miteinander und auf Zusammenarbeit anstatt von Wettbewerb und Hegemonie abzielt und das die Bürgerschaft der jeweiligen Gemeinden und Länder mit dem gebührenden Respekt gegenüber der kulturellen Vielfalt zusammenbringt, wenn es gemeinsame Herausforderungen zu meistern gilt.

Und an diesem gemeinsamen Streben nach internationaler Zusammenarbeit dürfen nicht allein die Regierungen mitwirken. Auch die Privatwirtschaft als mächtigster Sektor des Planeten muss mitziehen. Noch hat sie die ihr zukommende Verantwortung bei der Gestaltung der gesellschaftsrelevanten Zukunft, in die sie eingebettet ist und von der sie letztendlich abhängt, nicht übernommen.

Eine neue Weltkultur braucht eine übergreifende Vision, die sich von existierenden Traditionen und überlieferten Werten befreit, die neue Denkweisen zugunsten einer untrennbaren Ganzheitlichkeit anstößt und die die relativen Werte des Vergleichs über Bord wirft, um den wesentlichen Werten Platz zu machen.

Immer mehr Menschen, Gemeinden und sogar Konzerne begreifen zunehmend diese Art der Vernetzung und den Vorteil der Zusammenarbeit als Geschäftsmodell.

Aufgabe der Bewegung für globale Bürgerschaft sollte es sein, Menschen, die an einer friedlichen und nachhaltigen Welt mitarbeiten und eine zusammenhängende globale Bewegung des persönlichen und sozialen Übergangs beschleunigen wollen, die die Geschlossenheit der Menschheit widerspiegelt, miteinander zu vernetzen.

Wirklichen globalen Bürgern geht es darum, sozial engagierte Gemeinden, Gruppen und Einzelpersonen auf globaler Ebene zusammenzubringen, das Verständnis für die der Menschheit zugrunde liegende Einheit zu fördern und dies durch Frieden, soziale Gerechtigkeit und ökologisches Gleichgewicht zum Ausdruck zu bringen.
Alle, die das Verständnis von einer Welt, die 'mich' von den 'anderen', 'uns' von 'ihnen' abgrenzt, zu einer gemeinsamen Wahrnehmung transformieren und damit die Verbundenheit allen Lebens anerkennen, sind auf den Weg, ein Teil der globalen Bürgerschaftsbewegung zu werden. Sie entsteht überall dort, wo Menschen auf vielen Ebenen der politischen Organisation ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass die lebenserhaltenden Systeme, die Grundpfeiler des Wohlergehens und Wohlstands sind, gefährdet sind.

Unter Wissenschaftlern, Unternehmern sowie zwischenstaatlichen und Nichtregierungsorganisationen besteht längst Konsens in der Frage, dass wir erstens unsere Produktion und unsere Konsumzyklen und Märkte an die natürlichen regenerativen Naturzyklen anpassen müssen. Zweitens werden unsere vorherrschenden Business-as-usual-Modelle, die auf einen intensiven und Müll produzierenden Konsum aufbauen, nicht mehr greifen, wenn die Welt neun Milliarden Menschen zählt. Drittens ist ein Wandel unausweichlich. Und viertens werden fragmentarische Ansätze nicht ausreichend sein.

Nachhaltige Lösungen sind bereits vorhanden. Es gibt Menschen, die handeln und die
erforderlichen Dinge umsetzen. Alles, was wir tun müssen, ist eine Ausweitung und Beschleunigung dieses Prozesses.

Wir haben es mit einem systemischen Problem zu tun, für das wir eine systemische Lösung brauchen. Es gibt nur eine einzige Kraft auf Erden, die stark genug ist, um die Dinge zu reparieren: das 'Wir'. Wir müssen uns bewusst an die größte aller in Gang zu setzenden Unternehmungen heranwagen, die alle anderen mit einschließt. Es geht um eine wirkliche globale Bürgerschaft, die einen entschiedenen kulturellen Wandel unseres Bewusstseins erforderlich macht.
(IPS Deutscher Dienst | Karina Böckmann | 12.01.2015)

*Arsenio Rodriguez ist Vorsitzender und Geschäftsführer von 'Devnet International', einer Vereinigung, sie sich weltweit für die Bildung, Förderung und Unterstützung von Partnerschaften sowie den Austausch von zivilgesellschaftlichen Organisationen, Lokalbehörden und Unternehmen starkmacht.

Originalbeitrag <> http://www.ipsnews.net/2015/01/opinion-global-citizenship-a-result-of-emerging-global-consciousness/